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Nur seine Pflicht

Die Tränen schossen ihr in die Augen: Jetzt auch noch die Wochnung verkaufen! Fünf Jahre war es her, seit sie ihre gut bezahlte Stellung verlor, als der Konzern zur Renditesteigerung tausend Mitarbeiter entließ. Jeden angesparten Cent hatte sie seitdem opfern müssen, bevor ihr der Staat mit einem Almosen unter die Arme griff.

Fünf Quadratmeter sei ihre Wohnung zu groß: nicht bedarfsgerecht! Nun sollte sie mit ihrem pflegebedürftigen Mann in eine Sozialwohnung ziehen, irgendwo am Rande der Stadt, wo sie sich nachts nicht auf die Straße wagen würde. Fünf Quadratmeter! "Reicht es nicht, wenn ich die Balkontür verriegle? Dann fehlen die paar Quadratmeter und wir können bleiben!", hatte sie mit verzweifeltem Sarkasmus entgegnet, aber der Beamte blieb hart: "So sind nun einmal unsere Vorschriften, ich habe die Gesetze ja nicht gemacht. Ich meine es doch nicht böse mit Ihnen."

Wie in Trance erhob sie sich, ging mit wankenden Schritten Richtung Tür. Dann besann sie sich, blickte auf den verlassenen Stuhl und sprach ins Leere:

"Wie oft habe ich Ihnen schon gesagt, dass Sie künftig mit Leopold Israel Rosenzweig zu unterschreiben haben! Das ist nun einmal Vorschrift, ich habe die Gesetze ja nicht gemacht. Und Sie werden sehen, im Ghetto sind Sie besser aufgehoben, da haben Sie Hilfe und Unterstützung von Ihresgleichen. Ich meine es doch nicht böse mit Ihnen."

Dann sah sie den Beamten an: "Merken Sie was?"

"Ja", gab er mit trockener Stimme zurück, "wir sind eben alle nur Räder im Getriebe."

/Gesellschaft | Trackback | Sa, 03. Mai 2008


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