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Bahnprivatisierung

Dass sich Bahnchef Mehndorn trotz aller Pannen und Skandale so lange im Sattel halten kann, ist nur verständlich, wenn man bedenkt, dass er der beste Garant für eine schnelle und rücksichtslose Bahnprivatisierung ist, von der einige wenige einflussreiche Menschen profitieren werden, während sie der Masse der Bevölkerung Geld kosten wird und den Kunden Nachteile einbringt.

Wer profitiert, lässt sich bei den NachDenkSeiten hier und hier nachlesen.

Wie das Ganze auf lange Sicht ausgehen wird, zeigt das Beispiel Neuseeland, wo man die Bahn letztendlich wieder verstaatlichen musste, was hier und hier beschrieben ist.

/Gesellschaft | 0 Kommentare | Sa, 07. Feb. 2009
 

Gerechtigkeitslücke

Einige interessante Zahlen aus dem Büchlein "Manifest des evolutionären Humanismus":

"Die Einkommenslücke zwischen dem reichsten Fünftel der Weltbevölkerung und dem ärmsten Fünftel lag 1997 bei 74:1, während sie 1990 60:1 und 1930 sogar nur 30:1 betragen hatte. Mittlerweile hat die Ungleichverteilung geradezu groteske Formen angenommen: So verfügen die drei reichsten Menschen der Erde über ein Vermögen, das größer ist, als das Bruttosozialprodukt der 49 am wenigsten entwickelten Länder, die Vermögenswerte der 200 reichsten Personen übersteigen das Gesamteinkommen von 41 Prozent der Weltbevölkerung (also von rund 2,5 Milliarden Menschen!). (...)

In der reichen Industrienation Deutschland etwa verfügen die einkommensschwächeren 50 Prozent der Haushalte über weniger als 4 Prozent des gesamten Nettovermögens, die vermögensstärksten 20 Prozent hingegen können rund zwei Drittel des gesamten Nettovermögens auf sich vereinen. Dabei entfallen allein auf das oberste Zehntel der Haushalte 47 Prozent des gesamten Nettovermögens (...)."

Letztere Zahl kommt in unseren neoliberalen Fernsehtalkshows immer nur dann zur Sprache, wenn es heißt, dass ein kleiner Teil der "Leistungsträger" unserer Gesellschaft für den Großteil der Steuereinnahmen aufkomme. Kein Wunder, wenn sie auch den Großteil des Gesamtvermögens an sich gerissen haben!

/Gesellschaft | 0 Kommentare | Sa, 07. Feb. 2009
 

Filmtipp: Let's make money

Morgen haben Sie Kinopflicht, liebe Blogleser, und zwar werden Sie nicht den neuesten James-Bond-Streifen sehen, sondern "Let's make Money", einen Dokumentarfilm, der anschaulich beleuchtet, wie verheerend sich unser neoliberales Weltwirtschaftssystem auswirkt und wie die Gelder in die Taschen weniger Reicher fließen, während Milliarden Menschen als billiges Arbeitsvieh missbraucht werden.

Vor allem die Entwicklungsländer werden gnadenlos ausgebeutet, ohne die geringste Chance zu erhalten, fair am Welthandel teilzunehmen. Das alles wussten Sie hoffentlich schon vorher, aber so plastisch ist es Ihnen nie vor Augen geführt worden. Dabei kommt der Film gänzlich ohne Kommentar aus, allein die O-Töne genügen.

Eindringlich im Gedächtnis bleibt das Bild der im Steinbruch schuftenden Frauen, die gleichzeitig ihre Babys stillen, während die größeren, also drei- bis vierjährigen, Kinder beim Steineschleppen helfen.

Wenn Sie sich angesichts der Bankenkrise schon einmal gefragt haben, wo das ganze Geld eigentlich geblieben sei, gibt Ihnen dieser Film die Antwort. So aufgewühlt und verstört werden Sie das Kino lange nicht mehr verlassen.

/Gesellschaft | 0 Kommentare | Mi, 05. Nov. 2008
 

Gladio

Dass die Bombardierung afghanischer Zivilisten kein Terror ist, sondern Terrorbekämpfung, weiß jeder, der kein Anti-Amerikaner ist. Auch wir Europäer sind schon Empfänger solch dankenswerter Hilfsmaßnahmen gewesen, man denke nur an Gladio.

/Gesellschaft | 1 Kommentar | Fr, 24. Okt. 2008
 

Kapitalkrebs

Wenn in einer Krebsklinik die Chefärzte um ihre Einnahmen bangen müssten, weil die Betten voller zahlungsunfähiger Patienten sind, wie sollte eine Regierung dann helfen: Soll sie den Kranken Geld geben, damit diese ihre Heilung und somit auch die Ärzte bezahlen können, oder soll sie die Patienten zum Sterben nach Hause schicken und den Doktoren ihren Verdienstausfall direkt ausgleichen? Soll die Finanzspritze oben oder unten ansetzen?

Eine scheinbar hypothetische Frage, solange man nicht zu den US-Häuslebauern gehört, die jetzt in Pappkartons und Zelten hausen, während sich Banken großzügiger Finanzhilfen erfreuen.

/Gesellschaft | 1 Kommentar | Do, 23. Okt. 2008
 

Südossetien

Der Konflikt zwischen Russland und Georgien um Südossetien wird in westlichen Medien etwas einseitig zugunsten Georgiens dargestellt. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil Georgien seit 2004 durch eine strategische Partnerschaft mit der NATO verbunden ist, deren Mitglied es gerne würde. Und weil Georgien auf militärischem Gebiet eng mit den USA kooperiert und gemeinsame Manöver abhält.

Bedenken sollte man jedoch, dass Georgien keinesfalls eine lupenreine Demokratie ist, sondern mit Gewalt gegen nationale Minderheiten vorgeht. 1989 gehörten noch ein Drittel der Bevölkerung ethnischen Minderheiten an, heute sind es weniger als ein Siebtel. Die sind nicht alle freiwillig gegangen.

Im Zuge der Auflösung der Sowjetunion erklärte sich Georgien 1991 für unabhängig. Das gleiche Recht beanspruchte damals wie heute Südossetien gegenüber Georgien.

Osseten sprechen eine iranische Sprache, die nichts mit dem Georgischen gemein hat. Zweite Amtssprache ist Russisch und offizielle Währung der Rubel. 95 % der Einwohner haben die russische Staatsbürgerschaft. Nordossetien trat bereits 1776 freiwillig dem Russischen Reich bei.

Man sollte also nicht vorschnell urteilen, sondern getreu dem Motto audiatur et altera pars auch dieses Interview mit dem südossetischen Präsidenten Eduard Kokoiti zur Kenntnis nehmen.

/Gesellschaft | 1 Kommentar | So, 10. Aug. 2008
 

Benimmlektion

Eine Benimmregel sieht vor, dass man zur Begrüßung erst der Dame und dann dem Herrn die Hand gibt. So weit so gut. Viele Berufssakkoträger und Tanzschulabbrecher haben diese Konvention aber so sklavisch verinnerlicht, dass ihnen das Feingefühl in der Anwendung dieser Regel und die Souveränität zum Abweichen von derselben fehlt.

Welcher Mann kennt nicht die Situation: Man öffnet einem Gast die Haustür und streckt ihm freudig die Hand entgegen, doch anstatt diese zu ergreifen, stiefelt der vermeintliche Knigge-Jünger quer durch den Flur, um erst die Dame des Hauses zu begrüßen.

Das ist kein gutes Benehmen! Zum einen muss man eine Dame nur dann als erste grüßen, wenn sie sich in unmittelbarer Nähe und nicht von den Herren entfernt befindet. Vor allem aber ist es ein grober Affront, eine ausgestreckte Hand auszuschlagen! Solch einen Fauxpas zu begehen, nur um eine untergeordnete Konvention einzuhalten, ist in etwa so, als würde man auf den Tisch scheißen, weil man es unschicklich fände, nach der Toilette zu fragen.

Grundsätzlich handelt es sich also um eine aktive und keine passive Regel: Man(n) streckt zwar zuerst der Dame die Hand entgegen, wenn man auf ein Paar trifft, aber falls einem der Herr zuerst die Hand gibt, schlägt man diese nicht aus.

Das schlechte gute Benehmen ist jedoch noch steigerungsfähig durch die Gattung der Oberlehrer: Die lassen ihre Opfer nicht nur mit ausgestrecktem Arm stehen, während sie zur Dame vorpreschen, sondern kommentieren dies auch noch mit einem "Ladies first" oder "Die Dame wird zuerst begrüßt.". So gelingt es ihnen, ihren Affront mit einer Zurechtweisung zu garnieren und alle Sympathien zu verspielen, die gutes Benehmen eigentlich gewinnen sollte.

/Gesellschaft | 0 Kommentare | Di, 29. Juli 2008
 

Vermischte Links

Die Terrorhysterie von Schäuble und Co. schleift auch noch unsere letzten Grundrechte: Künftig soll man sogar in der eigenen Wohnung videoüberwacht werden können. Die Befugnisse des BKA werden entsprechend ausgeweitet.

Wie wenig sich wirklich hinter dem angeblichen Drohpotenzial "islamistischen Terrors" verbirgt, ist bei Freace nachzulesen.

Und wer das immer noch alles für Zufall hält, der lese Thilo Baums Anleitung "Wie man einen Staat zerstört", die von Wirtschaftslobbyisten und neoliberalen Politikern scheinbar befolgt wird.

Man wird übrigens eher Lottomillionär als Terroropfer: Im Jahre 2007 wurden 122 Deutsche zu Lottomillionären, und wie viele wurden Opfer eines Terroranschlags? Eben! Um also ein Risiko zu minimieren, das schon jetzt hundertfach geringer ist als die Wahrscheinlichkeit, Lottomillionär zu werden, sollen wir unsere Privatsphäre und unsere Freiheit aufgeben!

Wie kontraproduktiv Panikmache sein kann, zeigt sich auch im amerikanischen Rechtssystem und seinem weltweit höchsten Anteil von Gefängnisinsassen.

In Zeiten staatlichen Überwachungswahns wird anonymes Internetsurfen immer wichtiger. Männer haben dieses Problem mit Verschlüsselung und Tor-Servern gelöst, aber Frauen sind wie immer viel kreativer.

Wer so erfindungsreich ist, hat natürlich auch gesteigerte Ansprüche bei der Partnerwahl, die von diesem bescheidenen Mann erfüllt werden.

Ebensolcher Demutmangel wird dem Apple-Chef Steve Jobs nachgesagt, dessen Produktvorstellungen stets eine Mischung aus Popkonzert und Krönungsmesse sind und die in dieser Keynote-Persiflage wunderbar karikiert werden.

Sich selbst karikieren wollte wohl dieser Tibet-Demonstrant in San Francisco, der in seinem Geschichtsbuch einmal das Jahr 1936 nachschlagen sollte. Und um die weltweite Tibet-Verklärung ein wenig gerade zu rücken, sei auf ein Interview bei Telepolis verwiesen.

Eine größere Krise als der Tibetkonflikt ereignete sich vor 70.000 Jahren: Damals stand die Menschheit tatsächlich kurz vor dem Aussterben mit nur noch 2.000 verbliebenen Exemplaren.

Zum Glück ließ sich das gerade noch vermeiden, sonst könnten wir heute nicht fehlerhafte Tastaturen bauen und Homer Simpson aus Buchstaben nachbilden.

/Gesellschaft | 0 Kommentare | So, 04. Mai 2008
 

Nur seine Pflicht

Die Tränen schossen ihr in die Augen: Jetzt auch noch die Wochnung verkaufen! Fünf Jahre war es her, seit sie ihre gut bezahlte Stellung verlor, als der Konzern zur Renditesteigerung tausend Mitarbeiter entließ. Jeden angesparten Cent hatte sie seitdem opfern müssen, bevor ihr der Staat mit einem Almosen unter die Arme griff.

Fünf Quadratmeter sei ihre Wohnung zu groß: nicht bedarfsgerecht! Nun sollte sie mit ihrem pflegebedürftigen Mann in eine Sozialwohnung ziehen, irgendwo am Rande der Stadt, wo sie sich nachts nicht auf die Straße wagen würde. Fünf Quadratmeter! "Reicht es nicht, wenn ich die Balkontür verriegle? Dann fehlen die paar Quadratmeter und wir können bleiben!", hatte sie mit verzweifeltem Sarkasmus entgegnet, aber der Beamte blieb hart: "So sind nun einmal unsere Vorschriften, ich habe die Gesetze ja nicht gemacht. Ich meine es doch nicht böse mit Ihnen."

Wie in Trance erhob sie sich, ging mit wankenden Schritten Richtung Tür. Dann besann sie sich, blickte auf den verlassenen Stuhl und sprach ins Leere:

"Wie oft habe ich Ihnen schon gesagt, dass Sie künftig mit Leopold Israel Rosenzweig zu unterschreiben haben! Das ist nun einmal Vorschrift, ich habe die Gesetze ja nicht gemacht. Und Sie werden sehen, im Ghetto sind Sie besser aufgehoben, da haben Sie Hilfe und Unterstützung von Ihresgleichen. Ich meine es doch nicht böse mit Ihnen."

Dann sah sie den Beamten an: "Merken Sie was?"

"Ja", gab er mit trockener Stimme zurück, "wir sind eben alle nur Räder im Getriebe."

/Gesellschaft | 0 Kommentare | Sa, 03. Mai 2008
 

Fernsehnostalgie leicht gemacht

Wer kennt nicht das Gefühl, eine geliebte Fernsehserie aus Kindertagen wieder im Fernsehen oder auf DVD zu sehen und maßlos enttäuscht zu sein, weil sich die Begeisterung von früher einfach nicht mehr einstellen will?

Das Phänomen erklärt sich dadurch, dass Erinnerung, Realität und Persönlichkeit unterschiedliche Entwicklungen durchmachen:

In der Erinnerung ist die Fernsehserie als "toll" abgespeichert, aber diese Beurteilung ist jene des Kindes, das man einst war, und bemisst sich am damaligen TV-Angebot. Die Erinnerung blieb all dies Jahre unverändert, aber man selbst ist erwachsen geworden und auch die Fernsehlandschaft hat sich geändert.

Als Erwachsener ist man intelligenter und nicht mehr mit unlogischen Plots und sachlichen Fehlern zufrieden. Man hat auch Lebenserfahrung gewonnen und kann besser beurteilen, ob die Charaktere nachvollziehbar handeln. Die jahrelange Fernseherfahrung wiederum lässt viele Storys vorhersehbar werden, der Zauber des Neuen und Überraschenden ist verflogen.

Das Unterhaltungsangebot ist heute ungleich vielfältiger und technisch brillanter. Pappmaché-Kulissen und merkbare Bluebox-Effekte können wir im Computergrafikzeitalter nicht mehr goutieren. Was uns als Kindern eine perfekte Illusion verschaffte, lässt uns heute mitleidig lächeln.

Wo es einst nur drei Programme gab und man schon euphorisch war, wenn überhaupt mal eine Kindersendung oder amerikanische Serie lief, die man ob ihrer Seltenheit bewusst auskostete, gibt es nun dreihundert Programme, durch die man hindurchzappt, bis die gewünschte Sendung gefunden ist. Die Ansprüche sind gestiegen und vieles, was man damals mangels Alternativen vergötterte, würde einem heute beim Durchschalten gar nicht mehr auffallen.

Die eigenen Erinnerungen sind oft das Beste an einer alten Serie. Schaut man sich diese nun erneut an, mit den Augen eines Erwachsenen, so zerstört man die Erinnerung eher als dass man sie auffrischt, denn die visuellen Eindrücke decken sich nicht mit jenen, die man im Gedächtnis hatte, sondern wirken billig und peinlich.

Eine Lösung kann sein, die nostalgischen Sehnsüchte nicht mit der Originalserie zu stillen, sondern mit der zugrunde liegenden Buchvorlage oder einer Hörspieladaption. Die Bilder, die sich dabei im Kopf einstellen, behalten den Zauber der Jugendzeit, werden quasi vom Gehirn automatisch "upgedatet", denn gespeichert hat man dort nicht das genaue Aussehen der damaligen Zeichentrick-, Marionetten- oder Realserie, sondern nur eine verklärte Version, die das Hirn mit der Bewertung "schön" hinterlegt hat und daher positiv getönt abruft.

Erfolgreich erprobt habe ich es mit den Hörbüchern zu "Die Mumins", "Kalle Wirsch" und "Biene Maja", bei denen es sich um Lesungen der Original-Romanvorlagen handelte. Auf diese Weise lebt die Faszination der alten Geschichten wieder auf, ohne dass man sich an Marionettenfäden, Kinderliedeinspielungen oder stockenden Zeichentrickanimationen stören müsste.

/Gesellschaft | 3 Kommentare | So, 20. April 2008
 



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