blog

haekelschwein.de

Das haekelschwein Weblog
Archiv | Suche | RSS | Twitter | Mail


home :: Sprache :: 061221_statistikgeschenk.htm

Manipulieren für Anfänger

Nehmen wir an, ein Journalist wollte etwas Negatives über eine bestimmte Bevölkerungsgruppe schreiben, fände aber in den Statistiken alle guten und schlechten Eigenschaften gleichmäßig verteilt. Wie könnte er dann ohne zu lügen seinen Durchschnittsleser trotzdem von seiner Meinung überzeugen?

Die Nordwest-Zeitung hat dieses Problem am 21.12.2006 folgendermaßen gelöst: "Gut ein Drittel der Männer betrachtet den Geschenkeeinkauf als lästige Pflicht. Nur 32 Prozent macht er Spaß."

Dem kritischen Leser wird auffallen, dass "32 Prozent" und "gut ein Drittel" praktisch dasselbe sind. Dem Durchschnittsleser aber wird dies durch die unterschiedliche Formulierung verscheleiert, die einen schnellen Vergleich erschwert. Einer ungefähren Anteilsangabe ("gut ein Drittel") wird eine exakte Prozentzahl ("32 Prozent") gegenübergestellt, welche nicht nur durch die numerische Angabe aus dem Text hervortritt, sondern auch noch mit dem Wort "nur" als besonders klein gekennzeichnet ist.

Dies suggeriert, dass nur wenige Männer Spaß am Geschenkekauf hätten, während ihn die meisten als lästig empfänden. Die Statistik selbst sagt aber aus, dass beide Empfindungen gleich verteilt sind. Durch eine geschickte Manipulation ist es also gelungen, deren Aussage ins Gegenteil zu verkehren, ohne dabei falsche Angaben zu machen.

Die Überschrift des Artikels lautet übrigens "Männer trödeln bei Geschenkekauf" und erzeugt damit eine Erwartungshaltung, welche die vom Autor intendierte Interpretation bereits vorbereitet.

Gerade die inhaltliche Harmlosigkeit des hier gewählten Beispiels sollte den Blick für die dahinter stehende Methodik schärfen, damit man tendenziöse Berichte auch dann erkennt, wenn sie sich gegen "faule Arbeitslose" und "kriminelle Ausländer" richten.

/Sprache | 0 Kommentare | Do, 21. Dez. 2006
 



Archiv | Suche | RSS | Twitter | Impressum