Das haekelschwein Weblog |
|
home :: Sprache Warum Geld für eine Website ausgeben?
Mustertext für Webdesigner mit feilschenden Kunden: "Sie wollen doch eine Website, weil Sie sich davon einen kommerziellen Erfolg versprechen, denn Sie tätigen damit eine Investition, die sich später für Sie rechnen soll. Eine Homepage ist heute die wichtigste Anlaufstelle für den Erstkundenkontakt. Es ist quasi die Fassade, das Schaufenster und das Empfangszimmer Ihres Unternehmens. Wie sieht Ihr Laden aus? Haben Sie eine Bretterwand davor, mit einem Briefkasten, in den Ihre Kunden Geld und Aufträge einwerfen sollen? Natürlich nicht. Sie investierten in ein repräsentatives, kundenfreundliches Äußeres, und diese einmalige Investition hat sich vielfach rentiert. Sie haben nun jene Kundenkreise, von denen schäbige Hinterhofläden nur träumen können, denn Ihr Geschäft hebt sich positiv von der Masse ab. Sie sind jemand, der professionelles Auftreten und einen guten ersten Eindruck schätzt. Diese hohen Anforderungen sollten Sie auch an Ihren Internetauftritt stellen. Wir können diese Erwartungen erfüllen. Bretterwände machen wir nicht, und wenn ich Sie richtig einschätze, dann wollen Sie die auch gar nicht. Ich mache Ihnen mal ein Angebot und Sie überlegen sich, ob das nicht eine Investition ist, die sich am Ende für uns beide, gerade aber auch für Sie, lohnen wird."
/Sprache | 0
Kommentare | Sa, 07. Feb. 2009
Pointen können gefährlich sein. Man neigt leicht dazu, eine kurze Geschichte mit einer Pointe beenden zu wollen. Aber Pointen sind Kennzeichen des Witzes und beim Witz kommt es nur auf diesen abschließenden Höhepunkt an, alles Hinführende ist nur Mittel zum Zweck und schnell wieder vergessen. Wenn man eine wunderbar humorvolle Geschichte mit einer Pointe krönen zu müssen meint, kann es passieren, dass man dadurch die Gesamtgeschichte abwertet, weil sie nur noch im Hinblick auf die kurze, knallige Pointe betrachtet wird. Man denke einmal an Beispiele aus dem Bereich der Fernsehsketche: Die Sendung SketchUp mit Diether Krebs bot großartig skurril gespielte Sketche, die aber zwanghaft mit einer bemühten Pointe enden mussten. Loriot und vor ihm die Monty-Python-Truppe haben erkannt, dass es ab einer gewissen Sketchlänge lustiger ist, auf eine Pointe zu verzichten.
/Sprache | 1
Kommentar | Di, 08. Jan. 2008
"Hochgeehrte Jungfer, es geschiehet mehr aus wohlgegründeten Ursachen und erheischender Schuldigkeit, als Wohlstands wegen, oder aus Gewohnheit, daß ich Ihnen mein schlechtes, obwohl aufrichtiges Compliment darlege. Dieser Musterbrief stammt aus einem Konversationsratgeber von 1761. Autor ist Carl Mouton, "seiner Hochfürstlichen Durchlaucht zu Schleswig-Holstein, Bischofs zu Lübeck Secretarium und Hof-Sprach-Meister".1 247 Jahre später simst man stattdessen: "HDGDL". 1Zitiert nach Jürgen Dahl: Neue Sammlung alter Complimente, Frankfurt a.M. 1967, S. 24 und 20.
/Sprache | 2
Kommentare | Sa, 05. Jan. 2008
Die deutsche Firma Trekstor hat ihrer i.Beat genannten Reihe von MP3-Spielern ein neues Modell namens blaxx hinzugefügt. Leider hat niemand aus der Marketingabteilung diese Produkbezeichnung einmal laut ausgesprochen, sonst wäre ihnen aufgefallen, dass i.Beat blaxx eher wie ein Slogan des Ku-Klux-Klans klingt denn wie ein iPod-Konkurrent. Amerikanische Blogs haben diese politisch unkorrekte Namensgebung nicht nur bemerkt und kritisiert, sondern harsch angeprangert und die völlig überraschte Firma zu einer Umbenennung gezwungen. So etwas nennt man wohl einen rufschädigenden PR-GAU. Zum Glück könnte uns das nie passieren, denn wir produzieren keine MP3-Player, sondern herzallerliebste haekelschweine. Fürs Weihnachtsgeschäft planen wir eine Luxusvariante, die nicht aus Kunstfaser, sondern Sackleinen besteht, und die wir Jutenschwein nennen wollen.
/Sprache | 0
Kommentare | Mi, 29. Aug. 2007
Nehmen wir an, ein Journalist wollte etwas Negatives über eine bestimmte Bevölkerungsgruppe schreiben, fände aber in den Statistiken alle guten und schlechten Eigenschaften gleichmäßig verteilt. Wie könnte er dann ohne zu lügen seinen Durchschnittsleser trotzdem von seiner Meinung überzeugen? Die Nordwest-Zeitung hat dieses Problem am 21.12.2006 folgendermaßen gelöst: "Gut ein Drittel der Männer betrachtet den Geschenkeeinkauf als lästige Pflicht. Nur 32 Prozent macht er Spaß." Dem kritischen Leser wird auffallen, dass "32 Prozent" und "gut ein Drittel" praktisch dasselbe sind. Dem Durchschnittsleser aber wird dies durch die unterschiedliche Formulierung verscheleiert, die einen schnellen Vergleich erschwert. Einer ungefähren Anteilsangabe ("gut ein Drittel") wird eine exakte Prozentzahl ("32 Prozent") gegenübergestellt, welche nicht nur durch die numerische Angabe aus dem Text hervortritt, sondern auch noch mit dem Wort "nur" als besonders klein gekennzeichnet ist. Dies suggeriert, dass nur wenige Männer Spaß am Geschenkekauf hätten, während ihn die meisten als lästig empfänden. Die Statistik selbst sagt aber aus, dass beide Empfindungen gleich verteilt sind. Durch eine geschickte Manipulation ist es also gelungen, deren Aussage ins Gegenteil zu verkehren, ohne dabei falsche Angaben zu machen. Die Überschrift des Artikels lautet übrigens "Männer trödeln bei Geschenkekauf" und erzeugt damit eine Erwartungshaltung, welche die vom Autor intendierte Interpretation bereits vorbereitet. Gerade die inhaltliche Harmlosigkeit des hier gewählten Beispiels sollte den Blick für die dahinter stehende Methodik schärfen, damit man tendenziöse Berichte auch dann erkennt, wenn sie sich gegen "faule Arbeitslose" und "kriminelle Ausländer" richten.
/Sprache | 0
Kommentare | Do, 21. Dez. 2006
Es gibt eine neue Rubrik namens Sprache in unserem Blog, neben den bisherigen Rubriken Intern, Nonsens und Gesellschaft. Einige ältere Einträge haben wir bereits in die neue Rubrik eingeordnet, die man über den Link "/Sprache" unterhalb dieses Textes erreicht. Weitere Beiträge werden folgen und mittelfristig sogar in einem neuen Blog zu lesen sein, das sich kritisch, humorvoll und informativ mit linguistischen Inhalten auseinandersetzen soll. Auf diese Weise profitieren Sie wenigstens etwas von den Steuergeldern, die Sie in das Indogermanistik-Studium des Blog-Autoren investiert haben.
/Sprache | 0
Kommentare | Sa, 09. Sep. 2006
Gerne werden in private Blogs die Ergebnisse lustiger Psychotests eingebunden, die den Charakter der Blogger erhellen sollen. Die Grundlage dieser Tests ist jene der Horoskope und des Handlesens, nämlich der sogenannte Barnum-Effekt, der darin besteht, dass Menschen vage und allgemeingültige Aussagen, die vorgeblich sie selbst betreffen, tatsächlich als zutreffende Beschreibung der eigenen Person akzeptieren. Legt man hundert Studenten ein Horoskop vor, das angeblich exakt für sie berechnet wurde, erkennen sie sich in den Aussagen wieder, auch wenn in Wahrheit alle Studenten den gleichen Text vorgelegt bekamen. Wie gut der Barnum-Effekt funktioniert, können Sie selbst mit einem unschuldigen Opfer überprüfen, indem Sie es diesen Test machen lassen. Heerscharen von Astrologen, Wahrsagern und anderen Scharlatanten vertrauen auf diesen Effekt, um sich die Taschen zu füllen. Ein Beweis, dass Psychologie keine brotlose Kunst ist.
/Sprache | 0
Kommentare | So, 03. Sep. 2006
Die beliebtesten Zeitungsrätsel sind Sudoku und Kreuzworträtsel. Erstere trainieren die Kombinationsgabe, letztere zugleich das Faktenwissen. Ich möchte an dieser Stelle eine neue Art Rätsel propagieren, welche ich Thinkness nennen möchte. Durch Thinkness soll die sprachliche Kreativität herausgefordert werden. Es handelt sich dabei um Fragen, auf die es keine absolut richtige Antwort gibt, sondern auf die eine bestmögliche Antwort zu suchen ist. Beispiel: Wo arbeitet Roberts Schwager augenblicklich?
Kennt jemand noch eine bessere Antwort oder möchte eine neue Thinkness-Frage stellen?
/Sprache | 0
Kommentare | So, 27. Aug. 2006
En gång i tiden regerade en liten korpulent kung, som inte hade ett särskilt namn, utan kallades bara för "den tjocka kungen", ett litet land, som fanns på ingen karta. På en vacker dag i augusti satt den tjocka kungen på verandan framför sitt palats och funderade, vilka nya lag han skulle kungöra. Mellan han grubblade, åt han några kakor och buller och drack dyrt vin. "Det är inte gott att äta för mycket", tänkte han plötsligt. Drottningen sade ofta, att han hade blivit så fet, att han inte längre passar på tronen. Då bestämde kungen sig att besluter ett lag, som förbjuder att äta. Tre veckor senare var han inte längre tjock, för han hade förlorat sitt vikt, men han var inte heller längre kung, för han hade förlorat sitt folk. Anmerkung: Falls Sie diesen Text nicht lesen konnten, ist Ihr Babelfisch an einer Ohrenschmalzvergiftung gestorben und muss durch einen neuen ersetzt werden. Falls Sie ihn aber doch verstanden haben, korrigieren Sie bitte eventuelle Fehler mit Hilfe der Kommentarfunktion, damit ich mein episches Werk vervollkommnen kann.
/Sprache | 0
Kommentare | Di, 15. Aug. 2006
Der Wolf, der sich als Schaf fühlt
Es ist immer wieder lustig, wenn wie heute in der SZ, ein Bayer sich darüber beschwert, dass in den Medien das Norddeutsche die vorherrschende Sprache sei und die südlichen Mundarten benachteiligt würden. Als Sprachwissenschaftler schmunzelt man darüber, weil in Wirklichkeit das Gegenteil der Fall ist. Die heutige deutsche Standardsprache ist eine künstlich aus den oberdeutschen und mitteldeutschen Dialekten entwickelte Schriftsprache. Der Einfluss des Niederdeutschen, also der nativen Sprache der Norddeutschen, ist äußerst gering. Im Süden hat man aber neben der gemeinsamen Schriftsprache auch die eigenen mündlichen Dialekte beibehalten, während man im Norden das Niederdeutsche im Laufe des 20. Jhs. beinahe ganz zu sprechen aufgegeben hat und statt dessen dazu überging, die hochdeutsche Schriftsprache auch in der mündlichen Kommunikation zu verwenden. Während man diese aus dem Süden stammendene Standardsprache also im Süden nur schreibt, aber Dialekt spricht, wird sie im Norden sowohl geschrieben als auch gesprochen, während man die eigene Sprache aufgegeben hat. Kommt nun ein Bayer nach Hannover, dann fällt ihm auf, dass die Leute dort so sprechen wie er selbst schreibt, und er ruft verärgert aus: Unsere Standardsprache richtet sich ja nur nach den Norddeutschen! Die traurige Wahrheit ist aber, dass die Hannoveraner ihre eigene mündliche Sprache abgelegt haben und sich beim Sprechen nur noch nach der Standardsprache süddeutschen Ursprungs richten, allerdings in einer Aussprache, die den norddeutschen Gepflogenheiten entspricht. Das, was wir heute Standard-Hochdeutsch nennen und in der Tagesschau hören, ist also ursprünglich eine künstliche Schnittmenge süddeutscher Dialekte, die auf norddeutsche Weise ausgesprochen wird. Die kulturell Kolonisierten sind also nicht die bedauernswerten Lederhosenseppel, sondern die armen Fischköppe.
/Sprache | 0
Kommentare | Mi, 16. Nov. 2005
|
Archiv | Suche | RSS | Twitter | Impressum |